DIE GULASCHPARTY

Musikalische Lesung !
Sondergastspiel

05. Oktober & 30. November 2021 – Forum III
20:00h – ca. 22:00h (inkl. Pause
)

Gulaschpartys waren in Wien, Berlin, Paris und New York oft das einzige Vergnügen der vielen Künstlerinnen und Künstler, die ihre Heimat verlassen mussten. Robert Gilbert, Paul Abraham, Hermann Leopoldi, Werner Richard Heymann – sie alle erzählten davon.

Meine Tochter Marianne! Sie hat mir die Augen geöffnet. Meine 14jährige Tochter schämt sich für mich. Vor zwei Wochen hatten wir wieder unsere monatliche Gulasch-Einladung. Wir waren glücklich, guter Laune, sangen, tanzten. Haben für einen Moment unser Unglück vergessen. Nachdem alle gegangen waren, platzt sie heraus: „Vater, Mutter seht den Tatsachen ins Gesicht. Das Schicksal, Einwanderer zu sein, verbindet euch alle. Die meisten wohnen in kleinen düsteren Wohnungen mit Gebrauchtmöbeln und vollgestopften Bücherregalen. Sie sind arm, eure Freunde aus Europa. Aber das ist nicht das entscheidende!

In einer Zeit vor meiner Geburt und an Orten in Europa, die ich nicht kenne, wart ihr glücklich und einflussreich. Außerhalb dieses Zimmers macht dieses Land Amerika euch klein. Da seid ihr nicht mehr schön, sondern verschroben. Nicht geistreich, sondern töricht, werdet gönnerhaft behandelt statt bewundert.

Außerhalb dieses Zimmers und ähnlicher Zimmer in dieser Stadt erscheinen all diese Menschen schlecht angezogen, arm und zwangsläufig fremdländisch. Intellektuell herausragend, aber ungeschickt darin, ihre komplizierten Gedanken auf Englisch auszudrücken.“

Was mache ich hier wirklich? Ich schreibe an Filmstoffen, die nach Hollywood wandern. Ob sich dort die Filmgötter den Hintern mit abwischen – oder die Sachen sogar lesen – das liegt noch im Schosse des Schicksals. Ich lehnte sogar einen 5-Jahresvertrag mit einem Agenten ab, weil ich ein stolzer Bursche bin, der nicht singen möchte: „Gebundene Hände, das ist das Ende“ – und vertraue auf meinen Stern… Und meine Frau muss uns mit ihren Näharbeiten über die Runden bringen. Und ohne die alten Schwestern meiner Mutter hätten wir keine Wohnung. Im Vergleich zu den Millionen, die in den gewaltigen und grauenvollen Umwälzungen in Europa leiden und sterben, haben wir und unsere jüdischen Familienmitglieder Glück gehabt. Wir konnten uns retten. Mein Vater ist mit seiner zweiten Frau in Argentinien, ich bin hier in Amerika. Durch die Nazis wurde unsere Familie über die ganze Welt verstreut, wie Splitter bei einer gewaltigen Bombenexplosion. Werden wir jemals wieder zusammen kommen?

Mit:
Klavier / Mattias Binder

Andrea Binder und andere
Textfassung / Elfi Schweiger